Wenn Geld plötzlich mehr wird als Geld
Ein Workshop, der unter die Haut geht
Letzte Woche durfte ich im Rahmen der Wiener Bildungschancen wieder einen Workshop im Positive Money Future Lab leiten. Ich habe diesen Workshop schon viele Male gehalten. Ich kenne den Ablauf, die Dynamiken, die typischen Reaktionen.
Und trotzdem war diesmal alles anders. Es war… magisch.
Eine inklusive Schule in Hernals. 14 Jugendliche, alle etwa 14 Jahre alt.
Und ich wusste: Ich bin bereits der dritte Finanzworkshop, den sie in kurzer Zeit erleben. Die Begeisterung? Überschaubar. Kann ich verstehen.
Wer spricht schon gerne über Geld? Zu rational. Zu trocken. Zu anstrengend.
Und vor allem: Was hat das eigentlich mit mir zu tun? Ist doch noch ewig hin…
Doch genau hier setzen wir bei pogebix an. Wir machen Dinge anders.
Unser Zugang:
Nicht Wissen überstülpen, sondern Räume öffnen
glauben nicht daran, Wissen einfach „überzustülpen“.
Wir glauben daran, Menschen abzuholen, in ihrer Lebensrealität, in ihren Gefühlen, in ihren Fragen, der Vorteil, weil wir selbst im Klassenräumen stehen.
Also starte ich nicht mit Zahlen, nicht mit Sparplänen, nicht mit Aktien.
Ich starte mit einer einfachen Frage: Was ist Geld überhaupt?
Die Antworten kommen schnell: Tauschmittel. Zahlungsmittel. Wertaufbewahrung.
Alles richtig. Aber ist das wirklich alles?
Der Moment, der alles verändert
Ich nehme einen Geldschein. Zerknülle ihn. Werfe ihn weg.
Was passiert? Unruhe. Körperspannung. Stühlerücken.
„Hey, gib ihn mir!“ „Ich könnte den gut gebrauchen!“
Und genau da sind wir drin. Nicht im Kopf. Im Gefühl.
Wenn Jugendliche anfangen, ehrlich zu werden
Ich schicke sie in eine Selbstreflexion:
- Was ist Geld für dich?
- Welche Glaubenssätze kennst du?
- Welche Emotionen verbindest du damit?
Was dann passiert, hat mich tief berührt. Offenheit. Verletzlichkeit. Ehrlichkeit.
In einer Intensität, die ich in diesem Alter selten erlebe.
Ich merke:Wir können tiefer gehen.
Geld, Identität und die großen Fragen
Wir sprechen über:
- Bin ich mehr wert, wenn ich viel Geld habe?
- Was bedeutet Glück wirklich?
- Warum glaube ich, ein Haus haben zu müssen?
- Ist Elon Musk wirklich „erfolgreicher“ als andere?
Und plötzlich wird klar: Es geht nicht um Geld. Es geht um Identität.
Um Werte. Um Zugehörigkeit.
10 Millionen Euro und jetzt?
Ich teile die Gruppe bewusst heterogen ein.
Die Aufgabe:
Ihr habt 10 Millionen Euro. Was macht ihr damit?
Diskussionen entstehen. Spannungen. Machtfragen.
Wer setzt sich durch? Wer wird gehört?
Die Präsentationen:
- Großes Haus
- Luxusauto
- Familie unterstützen
Dann frage ich:
- Was kostet ein Haus wirklich?
- Was kostet es monatlich?
- Ist Eigentum wirklich günstiger als Miete?
Stille.
Und dann die viel wichtigere Frage: Warum glaubst du, dass du das haben musst?
Der Wendepunkt:
Wenn Geld zur Verantwortung wird
Neue Aufgabe:
Ihr habt wieder 10 Millionen. Wie macht ihr damit die Welt zu einem besseren Ort?
Und hier passiert das, was immer passiert.
Es wird still. Dann intensiv.
Diskussionen über:
- Klimaschutz
- Wasserzugang
- Gerechtigkeit
- Bildung
- Zusammenhalt
Im Grunde: die 17 SDGs, ohne dass jemand sie so nennt.
Dann folgten die Präsentationen und ich bekomme Gänsehaut.
Mir steigen Tränen in die Augen.
Sätze wie:
- „Wir können gemeinsam etwas verändern.“
- „Geld ist nicht das Ziel.“
- „Wir können jetzt schon etwas tun.“
- „Es ist Zeit, dass nicht nur alte Männer die Welt regieren.“
- „Wir gründen Organisationen.“
Das eigentliche Learning
Am Ende kommt das Feedback: „Geld ist nicht die Lösung. Wir sind es.“
Und genau darum geht es.
Nicht höher, schneller, weiter.
Sondern:
- Was ist genug?
- Wie setze ich meine Ressourcen ein?
- Welche Wirkung hat mein Handeln?
Was hat Finanzbildung mit Werten und unserem Planeten zu tun?
Unsere Antwort: Alles.
Denn:
- Ego-basiertes Denken bringt uns nicht weiter
- Es verstärkt Ungleichheit
- Es macht uns nicht glücklicher
Finanzbildung darf kein isoliertes Fach sein, keine reine Wissensvermittlung.
Denn wenn ein Kind hört: „Investiere in Aktien“ und zuhause ist nicht genug Geld für Essen da, dann macht das etwas mit ihm.
Mit dem Menschen. Mit seinem Selbstwert. Mit seinem Vertrauen in die Welt.
Die neue Generation ist bereit
Diese Jugendlichen sind nicht:
- faul
- desinteressiert
- abgestumpft
Ganz im Gegenteil.
Sie wollen gestalten.
Sie wollen Sinn.
Sie wollen Verantwortung übernehmen.
Sie sind unsere größte Hoffnung.
Was wir im „Zukunftsgestalter Geld-Lab“ tun
Unter dem Motto „Zuversicht schaffen – Zukunft gestalten“ arbeiten wir genau daran.
Wir schaffen Räume, in denen junge Menschen:
- ihre Beziehung zu Geld reflektieren
- neue Zukunftsbilder entwickeln
- Selbstwirksamkeit erleben
- Empathie und Gemeinschaft stärken
Wir glauben an:
- Vielfalt statt Einheitslösung
- Emotion statt reiner Rationalität
- Reflexion statt Frontalunterricht
Wir verbinden:
- Finanzbildung
- Nachhaltigkeit
- mentale Gesundheit
- gesellschaftliche Verantwortung
Denn all das gehört zusammen.
Warum dieser Workshop wirkt
Weil er nicht bei Zahlen stehen bleibt.
Weil er Menschen berührt.
Weil er Perspektiven verändert.
Und weil er eine zentrale Botschaft vermittelt: Geld ist ein Werkzeug.
Die Wirkung entsteht durch uns.
Und jetzt?
Wenn wir wirklich Zukunft gestalten wollen, dann müssen wir aufhören, nur Wissen zu vermitteln.
Wir müssen anfangen, Menschen zu bewegen.
Wenn du mit jungen Menschen arbeitest , in Schule, Bildung oder Organisation:
Hol sie dort ab, wo sie wirklich sind.
Nicht im Kopf. Im Leben.