Ein Erfahrungsbericht aus der Trainingsreihe am Raiffeisen Campus
Nachhaltigkeit im Banking wäre längst mehr als ein regulatorisches Muss.
Sie ist Beziehung, Haltung und eine echte Chance für wirksame Kundenarbeit.
Genau hier setzte die dreiteilige Online-Trainingsreihe am Raiffeisen Campus an, die ich konzipieren und begleiten durfte: mit dem Ziel, Nachhaltigkeit nicht nur fachlich zu vermitteln, sondern emotional erfahrbar zu machen und direkt in den Beratungsalltag zu integrieren.
Über drei intensive Workshop-Tage arbeiteten Mitarbeiter:innen aus Anlage- und Firmenkundenberatung an ihrer eigenen Geldbeziehung, an Money Scripts, an Zukunftsbildern und an konkreten ESG-Ansätzen für Kundengespräche. Im Zentrum stand immer dieselbe Frage:
Was wollen wir und unsere Kund:innen mit Geld bewirken?
Die Module reichten von Selbstreflexion („Positives Geld“), über Futures Literacy und Storytelling bis hin zu ESG-Ratingmodellen und individuellen Nachhaltigkeits-Leitfäden für die Praxis. Methodisch wurde mit Impulsen, Breakout-Sessions, Fallstudien, Rollenspielen und persönlicher Transferarbeit gearbeitet. Jede:r Teilnehmende entwickelte am Ende einen konkreten Umsetzungsplan für den eigenen Beratungsalltag.
Geld ist nicht neutral – jede Entscheidung wirkt
Eine der wichtigsten Erkenntnisse für viele Teilnehmer:innen: Geld ist niemals neutral.
„Mir wurde klar, dass Geld keine neutrale Größe ist, sondern immer Wirkung erzeugt - positiv oder negativ.“
(Teilnehmer, Firmenkundenbetreuung)
Diese Perspektive veränderte den Blick auf Beratung grundlegend. Nachhaltigkeit wurde nicht mehr als Zusatz verstanden, sondern als Teil des Kerngeschäfts:
„Nachhaltigkeit ist damit kein Extra, sondern Teil unseres täglichen Handelns – bereits jetzt und in Zukunft noch mehr.“
Viele beschrieben, dass sie erstmals wirklich gespürt haben, welchen Einfluss sie als Berater:innen auf gesellschaftliche und ökologische Entwicklungen haben.
Vom Pflichtgefühl zur inneren Überzeugung
Ein wiederkehrendes Thema war die anfängliche Skepsis gegenüber Nachhaltigkeit – Stichworte Greenwashing, Regulatorik, Bürokratie. Umso bemerkenswerter die Veränderung im Mindset:
„Bisher war Nachhaltigkeit für mich oft nur Regulatorik. Durch das Seminar habe ich gemerkt, dass daraus echtes Interesse geworden ist , daran, wie Banken mit positivem Geld Zukunft gestalten können.“
Oder auch:
„Ich hätte nie gedacht, dass ich als Einzelperson so viel Impact haben kann. Jetzt weiß ich: Es fängt mit mir selbst an , nur dann kann ich andere mitnehmen.“
Diese innere Bewegung war einer der stärksten Hebel der gesamten Trainingsreihe.
Fast alle Teilnehmer:innen beschrieben eine klare Veränderung ihres Rollenverständnisses. Weg vom reinen Produktverkauf hin zu echter Begleitung:
„Ich sehe mich als Übersetzer und Wegweiser: Meine Aufgabe ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen und Kunden dabei zu unterstützen, wirtschaftlich sinnvolle und zugleich nachhaltige Entscheidungen zu treffen.“
Ein anderer Teilnehmer formulierte es so:
„Im Idealfall bin ich kein Verkäufer, sondern Lebensbegleiter.“
Zentrale Werkzeuge dabei:
mutigere, emotionalere Fragen
echtes Interesse an den Werten der Kund:innen
und vor allem die Leitfrage:
„Was möchten Sie mit Ihrem Geld bewirken?“
Viele berichteten, dass sich dadurch Gespräche auf ein völlig neues Niveau heben lassen, entscheidend persönlicher, tiefer und nachhaltiger.
Nachhaltigkeit als Beziehungsthema
Super spannend war die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit nicht belehrend sein muss , sondern verbindend wirken kann:
„Das Thema bietet die Chance, die Beziehung zum Kunden zu vertiefen – vor allem auf persönlicher Ebene.“
Oder:
„Nicht jeder kann gleich viel beitragen – aber wenn jede:r für sich entscheidet, was möglich ist, wäre schon enorm viel erreicht.“
Auch im privaten Bereich entstanden neue Perspektiven: bewusster Konsum, reflektierter Umgang mit Geld, mehr Achtsamkeit für den eigenen Einfluss.
Fazit: Transformation beginnt innen
Was diese Trainingsreihe gezeigt hat: Nachhaltigkeit entsteht nicht durch Folien oder Vorgaben, sondern durch innere Haltung.
Die Teilnehmenden gingen mit einem neuen Verständnis von Geld, mit konkreten Gesprächswerkzeugen und mit spürbar mehr Mut in ihre Beratung zurück.
Oder wie es eine Teilnehmerin zusammenfasste:
„Ich habe gelernt: Als Beraterin vermittle ich nicht nur Fachwissen , ich vermittle Werte.“
Für mich persönlich war diese Zusammenarbeit mit dem Raiffeisen Campus ein starkes Beispiel dafür, wie Geldbildung, Persönlichkeitsentwicklung und ESG-Kompetenz zusammenwirken können , wenn man Menschen Raum gibt, sich selbst zu reflektieren und Zukunft aktiv mitzugestalten.
